Briefmarken-Ratgeber
NEU
Guten Morgen, liebe Briefmarkenfreunde !
Eine von vielen Fragen mit Antwort:
Mi.-Nr. 637 mit FN 4:
Guten Tag, seit dem Tod meines Bruders habe ich mit mäßigem Erfolg, u.a. auch bei ebay, versucht, dessen Sammlung zu veräußern. Die Erfahrungen entsprechen dem, was Sie schreiben. Selbst hatte ich meine Briefmarken (UNO!) ca. 1990 in die Ecke gelegt. Nun bin ich über 60 und suche einen neuen Anfang mit wenig Kapitaleinsatz, wodurch ich auf Ihre Internetseite aufmerksam wurde. Zunächst war ich geneigt, Ihren Ausführungen bedingungslos zu folgen. Nun gibt mir das o.a. Ergebnis allerdings zu denken. Wenn sich Ihre Sammelart allgemein durchsetzt, ist es doch unerschwinglich, mit wenigen finanziellen Mitteln noch Spaß an der Freude zu haben. Dann habe ich hier auch die falschen Stempel gesehen. Von diesen (Charlottenburg) werden gerade bei ebay sehr viele angeboten. Wie entkomme ich dieser Gefahr? Prüfen lassen kann ich erst, wenn ich sie gekauft habe. Und selbst erkenne ich gar nichts. Wird mir Ihr Ratgeber hier helfen? Hatte überlegt, eine Berlin-Sammlung aufzubauen, ab meinem Geburtsjahr, UNO weitersammeln macht keinen Sinn, Totalverlust. Nach Ihren Ausführungen zu sammeln, scheint auch nicht zukunftsträchtig, da werden die Besonderheiten, die ich mir leisten könnte doch auch wieder Massenware. Oder habe ich da etwas mißverstanden? Grüße aus Berlin.
Frank



dem, was Sie schreiben. Selbst hatte ich meine Briefmarken (UNO!) ca. 1990 in die Ecke gelegt. Nun bin ich über 60 und suche einen neuen Anfang mit wenig Kapitaleinsatz, wodurch ich auf Ihre Internetseite aufmerksam wurde. Zunächst war ich geneigt, Ihren Ausführungen bedingungslos zu folgen. Nun gibt mir das o.a. Ergebnis allerdings zu denken. Wenn sich Ihre Sammelart allgemein durchsetzt, ist es doch unerschwinglich, mit wenigen finanziellen Mitteln noch Spaß an der Freude zu haben. Dann habe ich hier auch die falschen Stempel gesehen. Von diesen (Charlottenburg) werden gerade bei ebay sehr viele angeboten. Wie entkomme ich dieser Gefahr? Prüfen lassen kann ich erst, wenn ich sie gekauft habe. Und selbst erkenne ich gar nichts. Wird mir Ihr Ratgeber hier helfen? Hatte überlegt, eine Berlin-Sammlung aufzubauen, ab meinem Geburtsjahr, UNO weitersammeln macht keinen Sinn, Totalverlust. Nach Ihren Ausführungen zu sammeln, scheint auch nicht zukunftsträchtig, da werden die Besonderheiten, die ich mir leisten könnte doch auch wieder Massenware. Oder habe ich da etwas mißverstanden? Grüße aus Berlin. Frank
Antwort:
Hallo Frank, die Voraussetzungen sind gut. Sie haben die Erfahrung, daß sich die Marken Ihres Bruders nicht verkaufen lassen und offensichtlich schon 1990 erkannt, daß ABO-Sammeln, Müntefering würde gesagt haben, Mist ist. Ich ordne das auch nicht unter Briefmarkensammeln ein, sondern eher als Bildchensammeln. Und da ist jede Geldausgabe zu viel und wie sich herausstellte, Totalverlust.

Wer allerdings glaubt, daß man ohne Kapitaleinsatz etwas wertvolles schaffen kann, der irrt. Auch eine andere Einstellung muß sich ändern. Briefmarken werden nicht gesammelt, um komplett zu sein oder zu werden, da zählt nur Qualität – und die gibt es nicht umsonst. Und da wird ein Normalbürger, wie z.B. ich, automatisch auch an seine Grenzen stoßen, logisch. Dann muß man sich halt innerhalb dieser Grenzen bewegen – uns da gibt es nicht Enden wollende, uns Spaß bringende Möglichkeiten.

Die diskutierte MiNr. 637 mit FN 4 ist sehr selten und derartiges ist immer teuer. Hier allerdings unberechtigt, denn sie ist in der Zähnung geknickt – und so für mich nicht sammelwürdig.

Ihr Vorhaben, Berlin ab 1952 zu sammeln ist toll – nur ich würde mich nicht unnötig eingrenzen. Postfrisch und als Einzelmarken gibt’s da allerdings nichts groß Interessantes, es sei denn, Sie legen Wert auf Randstücke in all ihren Varianten. Noch mehr fesseln mich gestempelte (nach Möglichkeit zentrisch von normalen Postämtern) Briefmarken in erstklassiger Qualität. Hier sind allerdings auch die normalen, aber les- und in sofern prüfbar gestempelten Marken gesucht und eine tolle Alternative. Solche Marken sind keine Massenware, können es also auch nie werden. Sie sind im Gegenteil endlich, in also uveränderbarer, nicht verifizierbarer Menge vorhanden, sodaß selbst einfache Ware bald knapp werden wird.

Bezüglich der Charlottenburg-Stempel brauchen Sie keine Angst zu haben. Da gibt es zwar auch Fälschungen, aber die allermeisten sind echt. Charlottenburg war der damals noch inoffizielle Vorgänger der Versandstellen. Aufgrund seine weniger großen Häufigkeit ist er absolut sammelwürdig.

Bezüglich der Markenprüfungen der Tip: kaufen Sie entweder nur tiefstgeprüfte Ware (höhergeprüfte Ware ist nicht verkäuflich!) oder holen sich vorher eine Prüfgarantie (mindestens 1/2 Jahr)ein. Läßt sich ein Verkäufer darauf nicht ein, verzichten Sie einfach auf den Kauf.
Der Patient "Briefmarkensammeln" liegt schwerkrank danieder. Einiges deutet auf sein Ende hin. Um ihn herum hat sich der gesamte Clan der "Briefmarkenlobby" versammelt. Man ist entsetzt, nur ganz leise grummelnde Unterhaltung. Wie konnte das in nur 40 Jahren so wahnsinnig schnell passieren? Ganz vereinzelte, sehr zaghafte Vorschläge, man solle vielleicht doch einen Arzt hinzuziehen, werden mit einem ebenso leisen, jedoch sehr bestimmtem "das wird doch viel zu teuer" abgeschmettert. Im Übrigen wissen wir doch selbst woran er erkrankt ist. Nochmalige vereinzelte Versuche: "ja, aber, wenn er stirbt, sind wir wirtschaftlich am Ende"! Pessimisten, Schwarzseher! Wenn er überlebt, ist es auch nicht anders - nein wir müssen hoffen, daß er wieder gesund und jung wird und das alles so hinkriegen, daß alles beim Alten bleibt, wir unsere, zugegeben, nicht ganz lauteren, jedoch einträglichen Geschäfte weiter betreiben können. Also laßt uns weiter überlegen - und abwarten - und ein paar von uns sollten immer an seinem Bett bleiben und klagen, hoffen und beten, klagen, hoffen und beten, klagen, hoffen und bet ......
Ja, es ist ja auch wirklich zu schön, wenn man "seine" Käuferschicht, die der jungen, der Spaß-Sammler, so weit hat, daß sie jeden Mist, sei er noch so teuer, sei er noch so unsinnig, unterstützt mit ein paar unsinnigen Werbeslogans, einfach kauft.
Dieser Markt ist wirklich durch und durch krank. Da werden täglich unzählige Male Unwissenheit, Vertrauen und Begeisterung junger und oft auch älterer Menschen einfach mißbraucht und enttäuscht. Motto bei alledem: kommt einer dahinter, dann gibt er eben auf. Na und? Neue kommen doch nach.
Mit dem "Briefmarken-Ratgeber" möchte ich die Basis schaffen, alle Bereiche zu durchleuchten, alles Negative anzuprangern, nach Möglichkeit alle Tricks zu erkennen und zu besprechen. Dazu können, nein, sollten Sie alle beitragen. Beobachten Sie kritisch und melden Sie was Ihnen auffällt.
Der kritische Sammler wird aber auch selbst Positives leben, erleben und entdecken. Und gerade das ist von größtem Interesse und alle sollten es erfahren.
Seien Sie egoistisch: Helfen Sie den Sammlern!
Denken Sie mal über ein zugegeben äußerst einfaches Beispiel nach: von etwas Sammelwürdigem gibt es 1.000 Stück - und 50 Sammler. Klar, sagt da jeder, das ist ein nichts wert, ein billiger Sammelgegenstand. Jetzt sammeln aber 500, der Ein oder Andere hat den Sammelgegenstand 2- oder 3fach, eventuell in unterschiedlichen Varianten, die Nachfrage ist also größer als das Angebot. Die Preise steigen stark. Das macht andere aufmerksam, es kommen weitere Sammler hinzu, die Nachfrage kann nicht mehr gestillt werden, die Preise explodieren.
Nein, das ist nicht die zwangsläufige Entwicklung allen Strebens, aber auch Zwischenstufen machen Spaß. Konzentrieren wir uns also auf Entwicklungsfähiges.
Bei alledem braucht es aber auch und besonders "Wissen", eine weitere wichtige Aufgabe des "Briefmarken-Ratgeber", die, so glaube ich, ideal ergänzt wird durch unser Forum.
Ich kann mir auch vorstellen, daß die kostenlosen Kleinanzeigen, die ausschließlich auf unsere Hobby ausgerichtet sind und die Bereiche kaufen, tauschen und suchen umfassen, helfen werden, Qualität darzustellen und marktgerechte Preise zu gestalten.
In den meisten Bereichen braucht man das Rad jedoch nicht neu erfinden, da gibt es schon hervorragende Erkenntnisse, die wir alle nutzen sollten. Nur die Auswüchse sollten erkannt und ausgemerzt werden, damit unser Hobby wieder in seiner ganzen Breite Spaß macht.